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Munter wuchern die Stilblüten, auch in den Golfmedien

Sie haben es wieder getan. Sie tun es ständig. Allen Sprachpflegern zum Trotz, und obwohl Bastian Sick als populärster Streiter wider verbale Schlampereien damit etliche Bücher und Hallen gefüllt hat: Deutschlands Journaille pflegt fröhlich Vokabel-Schluderei und liederliche Diktion. Das gilt für sogenannte Leuchtturm-Medien wie für Nischen-Publikationen.

Oben auf der Hitliste steht fraglos „vorprogrammieren“, der Methusalem der Pleonasmen, im Duktus offenkundig so unausrottbar verankert wie aufaddieren, auseinander dividieren, runterreduzieren, hochstilisieren. Oder wie Zukunftsperspektive. In Sachen Golf war gerade irgendwo mal wieder Spaß vorprogrammiert, neulich in der Süddeutsche Zeitung war’s ein Krach, im Focus unlängst ein „Shitstorm“. Alles vorprogrammiert.

STYMIE ist ein antiker Golf-Begriff dafür, wenn auf dem Grün ein Ball so liegt, dass er einen anderen am direkten Weg ins Loch hindert (to stymie) oder diesen gar matt setzt (to stymie), und ausgestorben, seitdem Bälle markiert und aufgehoben werden dürfen. Dafür produzieren heutzutage Golf- und sonstige Medien regelmäßig sprachliche Stymies – blinde Balllagen.

Dass keine Missverständnisse entstehen: Es geht hier nicht um Formulierungen aus flotter Feder, nicht um einen spielerisch-leichtgängigen Umgang mit Sprache. Es geht um Stilblüten, um falsche Begrifflichkeiten. Der unselige Pleonasmus „vorprogrammiert“ scheint förmlich programmiert, wenn es gilt, etwas besonders Unausweichliches darzustellen. Dabei ist es bloß ein Blähwort. Programmieren leitet sich vom griechischen Programma ab, die Silbe „pro“ (vor) und das Substantiv „Gramma“ (Geschriebenes, Schriftzeichen, Buchstabe) bedeuten bereits Vorgeschriebenes, Vorbezeichnetes, ein weiteres „vor“ vor programmiert ist Unfug, doppelt gemoppelt.

Kompetitiver Wettbewerb hat oberste Priorität

Ebenso „aufoktroyiert“ und „diametral entgegengesetzt“, immer wieder gern verwendet, indes gleichfalls Pleonasmen und deswegen nicht minder falsch. Oktroyieren stammt vom lateinischen Auctoritas (Einfluss, Ansehen) und meint schon aufzwingen. In der Mathematik existiert für jeden Punkt auf einer Kreislinie oder Kugeloberfläche ein diametraler, ein genau entgegengesetzter Punkt.

Ziehenden Schmerz im Sprachzentrum verursachten dieser Tage überdies ein vermasselter Superlativ namens „oberste Priorität“ oder der besonders gelungene Pleonasmus „kompetitiver Wettbewerb“. Beides lässt sich – auch das noch – prima „miteinander kombinieren“.

"Wie man gut schreibt"

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Und weil wir gerade dabei sind, noch eine Note an die Adresse der Sportberichterstatter. Kollegen, ein Titel wird nicht „erfolgreich verteidigt“. Das Tätigkeitswort verteidigen – vielleicht könnte man es sogar als Zustandswort einordnen – lässt zwar den Versuch zu, sich zu verteidigen, in der Feststellung ist der Erfolg jedoch implizit. Oder anders herum: Noch nie war die Nachricht zu vernehmen, jemand habe seinen Titel erfolglos verteidigt. Das gilt übrigens auch für Gastro-Sterne, Etats oder Dissertationen.

Die Sprachblähung erfolgreich verteidigen

Jemand verteidigt etwas, endgültig und damit automatisch erfolgreich. Oder so lange – und damit für diesen Zeitraum erfolgreich –, bis er seine Verteidigung nicht mehr aufrecht erhalten kann. Weil er aus welchem Grund auch immer nicht mehr in der Lage war zu tun, womit er bis dahin erfolgreich war.

Apropos „kann“. Liest man auch stets und ständig (eine Tautologie übrigens, Wiederholung mit sinnverwandten Begriffen): „Er konnte seinen Titel (erfolgreich) verteidigen“, „er konnte seinen Sieg wiederholen“, „er konnte die Verfolger auf Distanz halten“ und und und. Nein, konnte er alles nicht, er hat. „Kann“ meint die Fähigkeit oder die Möglichkeit, etwas zu tun. Selbst als Betonung einer Leistung, à la „es gelang“, taugt „kann“ oder „konnte“ nicht. Da gibt es trefflicheres Vokabular, elegantere Formulierungen. Er hat seinen Titel verteidigt, seinen Sieg wiederholt, die Verfolger auf Distanz gehalten. Fakt. Punkt. Ende.

Nicht schwer und schon gar nicht umsonst

Manche Schreiber und Redner – Achtung, es wird spitzfindig – finden das seltsamerweise schwer. Gleichwohl ist es nicht schwierig. Vielleicht nicht unbedingt einfach. Auf keinen Fall leicht. Wäre schön, wenn dieses Plädoyer für guten Sprachstil nicht gänzlich vergebens war. Allein wegen der Kosten für Computerstrom war es nicht umsonst.

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